Alles kommt anders als geplant!
Letzte Woche hatten wir (Matt, Thomy und ich) vier (!) Tage (Donnerstag – Sonntag) gemeinsam frei. Eigentlich laut unsrer Chefin “impossible!”, aber irgendwie hat’s trotzdem geklappt. Haben uns dann schon voller Vorfreude an die Planung gemacht. Das Ziel sollte Ägypten und Kairo sein. – Doch da wir auf die schnelle leider keine passenden Visa dafür organisieren konnten, viel das leider ins Wasser.
Naja macht ja nichts haben wir uns gedacht und eifrig den nächsten Plan in angriff genommen – diesmal sollte es mit einem Mietauto ganz in den Norden in den Golan (bei der Grenze zu Syrien/Libanon) gehen. Haben dann alles schön geplant und also so arrangiert, dass wir am Samstag Angela (eine meiner WG-Mitbewohnerinnen) am Flughafen nach Deutschland verabschieden hätten können. Naja, wollten dann gleich am Mittwoch noch nachts losfahren und nur noch schnell das gebuchte Auto abholen. Ihr ahnt es schon – aus Gründen eines Abbuchungslimits auf Thomys Kreditkarte konnten wir auf einmal doch kein Auto bekommen… Waren schon ganz schön deprimiert erst mal
.
Nach einigen Minuten der Frustration haben wir uns eben was neues überlegt…
…sind dann schließlich zum Flughafen in Tel Aviv gelaufen
Bisschen verrückt muss man dazu wohl schon sein, aber wir hatten vieeeel Spaß! Und wollten eben unbedingt noch Angela mit der Verabschiedung überraschen (sie ist davon ausgegangen, dass wir irgendwo im Norden rumgurken…).
Naja, von der Central Bus in Jerusalem ging’s dann voller Motivation, ohne Muskelkater und blasen und noch gut riechend los.
Die erste Pause haben wir dann bei der Elvis-Tankstelle in Yad Hashmona gemacht, wo wir schon mal bei Seminar hin gewandert waren.
Jo, und weiter ging’s… … sind dann dem "Israel Trail" gefolgt und sind dabei echt durch geniale Landschaften gekommen, bei denen schon fasst Heimatgefühle an den Schwarzwald aufkamen!
Naja, als es dann langsam aber sicher Nacht wurde und wir zu allem Überfluss auch noch den Trail verloren hatten, haben wir dann mal angefangen uns nach nem geeigneten Schlafplätzchen umzusehen…
“Mhm, wo’s wohl weiter geht?”
Naja, auf jeden Fall haben wir dann festgestellt, dass es doch nicht so einfach ist bei totaler Dunkelheit (und intelligenter Weise nur mit einer Taschenlampe mit schwachen Batterien ausgerüstet) nen geeigneten Zeltplatz zu finden!
Dieser Platz hier links hätte uns ja echt gefallen, aber wir wollten ja schließlich auch niemandem anderes den Schlafplatz klauen…
Haben uns dann schließlich an einem nahezu perfekten Platz am Rande eines Ausläufers der judäischen Berge niedergelassen. War richtig super und wir hatten nen super Abend mit genialer Aussicht über die Ajalonebene:
Richtig gutes improvisiertes Abendessen und ein gemütliches chillen am Lagerfeuer inklusive passender musikalischer Untermalung durch Schakal Geheul!
Naja, nach kurzer nächtlicher Planung ging’s nach ausschlafen und ausführlichem Frühstück morgens erstmal weiter Richtung Tel Aviv…
Das tolle war, dass während unserem Frühstück immer wieder Mountainbiker vorbeikamen die unsere “verrückte Action” richtig gut fanden und uns immer viel Erfolg gewünscht haben. So was sollte man in Deutschland auch mal haben
…
Da wir so langsam beim Blick auf die Karte merkten, dass wir wohl viel zu lange geschlafen hatte und wir heute dann wohl ne ganz schöne Strecke vor uns haben würden, musste die so langsam mal angepackt werden:
Und einmal um die Ecke gebogen und schon wieder haben wir den ganz anderen Landschaftstyp vor uns. Schon genial! Der Wandertag sollte aber noch so manche Überraschungen für uns bereit halten z.B. irgendwelche Industrieanlagen in der Pampa, bei denen man u.a. durch Schilder freundlich darauf hingewiesen wird, dass man sich wohl besser fernhalten sollte:
Oder auf einmal ein Olivenhain mit ringsherum Zypressen, Mohnfeldern und Orangenplantagen…
Eine Besonderheit des Trails ist, dass er an vielen historischen und auch einmaligen Naturplätzen vorbeiführt. Daher ist der gesamte Trail auch 940 Kilometer lang, durch ein bloß ca 400 km großes Land. Diese Zeichen des Trails findet man im ganzen Land.
Einer dieser besonderen historischen Plätze lag auf unserer Wegstrecke. Die so genannte "Burma Road". Die Burma Road ist eine Behelfsstraße zwischen Tel Aviv und Jerusalem, die während des Israelischen Unabhängigkeitskriegs von den Israelis angelegt wurde, um Latrun und den Bab el Wad zu umgehen und den belagerten jüdischen Teil Jerusalems mit Versorgungskonvois zu erreichen.
Eine sehr spannende Geschichte die auch am Wegrand wiedergegeben wurde. Man konnte etwas über den Pipelinebau und den Straßenbau an sich lesen und originale Ausstellungsstücke angucken. Mitten im Wald wo fast niemand hinkommt hat man so eine Art kleines Museum.
Danach folgten wir dem Trail bis nach zu der alten Kreuzfahrerruine Latrun (war ja erst neulich schon mal zum Zitronenpressen dort) und konnten von dort aus noch den Sonnenuntergang bestaunen. Da es hier in Israel die letzten zwei Wochen relativ intensiv geregnet hatte, konnten wir echt nen super genialen Blick auf die grünen Ebenen genießen:
Hatten dann auch noch unseren Spaß mit ein paar “kleinen” Kakteen, die wir am Wegrand gefunden hatten.
Wir hatten auch echt Glück, dass wir zufälligerweise Vollmond erwischt hatten und so trotzt nächtlicher Dunkelheit noch halbwegs den Weg finden konnten, obwohl es manchmal eher einem Stolpern als einer Wanderung. Aber Gott sei dank (!) haben wir echt immer irgendwann wieder eines der Israel-Trail-Zeichen gefunden…
Jo, so ging’s dann weiter und weiter und wir hatten immer noch n’ganzes Stück Weg vor uns. Zu allem Überfluss haben wir dann noch total den Weg verloren und sind nun am Highway Nr.1 entlang gelaufen um wenigstens noch die ungefähre Orientierung zu behalten. Abend gegessen haben wir in einem Art Neubaugebiet der israelischen Art (die kompletten Straßen inklusive Beleuchtung; Schilder und Zebrastreifen war schon komplett fertig – nur die Häuser haben gefehlt, war nur Gras zwischen den Straßen-Quadraten). So konnten wir dann mal mitten auf einer Kreuzung kochen, hat man auch nicht alle Tage!
Nachdem wir uns echt den Bauch mit Spaghetti vollgeschlagen hatten, wollten wir eigentlich nur noch liegen bleiben (besonders Matt war von dieser Idee echt begeistert – siehe Bild…)
und alles andere bloß nicht weiterlaufen, aber was macht man nicht alles für Angela!… Naja von unserem nächsten Streckeabschnitt gibt’s keine Bilder und das hat auch einen Grund. Ihr müsst euch jetzt halt mit Text begnügen… Da wir inzwischen den Trial komplett verloren hatten, beschlossen wir uns an Eisenbahnlinien und Dingen zu orientieren, die in unsrer Karte verzeichnet waren. So sind wir irgendwann einfach in einem ausgetrockneten Flussbett gelaufen… Und auf einmal standen wir mitten in einem Steinbruch zwischen riesigen Förderbändern und Trucks. Haben uns dann nach einem möglichst unauffälligem Weg heraus umgesehen und da gab’s anscheinend nur einen Weg. So weit so gut, dummerweise fanden die ganzen Wachhunde die neben dem Weg eingezäunt waren unsere Idee nicht so toll. – Bei diesen aggressiven Hunden und als dann noch die ganze Alarmanlage an ging, konnten wir auf einmal wieder richtig schnell laufen!!! Sind dann immer mit einem Auge nach hinten (falls uns die Hunde doch irgendwie hinterher kommen sollten) schnell den Weg entlang, wo wir dann auch probt mit einem netten Schild “Danger” – Lebensgefahr empfangen wurden… Naja, da wir keine Lust hatten in dieser netten Umgebung Pause zu machen, liefen wir (nach nem kurzen Stoßgebet) noch ungefähr ne halbe Stunde weiter, unterquerten noch nen Highway und ne Eisenbahnstrecke über nen Abflusstunnel . Nach ne kurzen Pause mitten in einem Feld, ging’s dann auch direkt weiter, bis wir um ca. 1 Uhr an einem Moshav rauskamen. Aber bald darauf haben wir auch wieder ne Straße gefunden, mit Schildern an denen wir uns orientieren konnten:
Waren nun kurz vor dem Ortseingang von Lot. Dort standen wir nun vor der Entscheidung unser Zelt auf einem Kreisverkehr, in einer sumpfigen Wiese oder auf einem Kinderspielplatz. Wir entschieden uns für letzteres. Haben dann noch schnell unser Zelt aufgebaut und sind dann erschöpft und schnell eingeschlafen!
Wurden dann morgens auch noch von arabischen Kids geweckt, die sich sowas wie ein Zelt mal innen anschauen wollten. Morgens sind wir dann noch die letzten Kilometer zu unserem eigentlichen Ziel, den Ben-Gurion Flughafen, gelaufen. Dort haben wir uns dann erst mal auf den Toiletten notdürftig gewaschen, um die anderen Gäste (und vor allem Angela) auf dem Flughafen nicht unbedingt durch unseren “zwei tägigen Abenteuergeruch” belästigen wollten
. Angela hatte nichts von unsrer Action geahnt und so die Überraschung echt richtig geklappt! Konnten noch zusammen beten und noch gemütlich nen Kaffee mit ihr trinken.
War auf jeden Fall ne super Zeit und es hat sich definitiv gelohnt all die Strapazen auf sich zu nehmen. Und Gott hat uns wirklich dafür entschädigt, dass aus unseren ursprünglichen Pläne nicht geklappt haben!
07/02/2010 um 12:44
Hey Domi,
auch mir wird beim Lesen deiner Einträge nicht langweilig, denn die Bilder und Texte sind sehr interessant. Erstens auch deshalb, weil man so einen kleinen Eindruck von Israel bekommen kann. Und Zweitens, weil es schön ist, zu hören, wie es dir geht und was du so alles erlebst.
euch scheint es ja nicht so schnell langweilig zu werden
Weiterhin alles Gute!
Emilia
08/02/2010 um 12:58
Sers domi,
die Geschichte kannte ich ja , als previligiertes Mitglied deiner Familie, schon.
Ein kleiner sprachlicher Tipp:(nicht allzu ernst nehmen)
Die Satzanfänge wie “Jo, …” oder “Naja, … ” kommen deinem Gesprochenen schon sehr nahe und versetzen den Leser auch unmittelbar in die erlebte Situation. Dennoch gibt es noch mehr dieser Anfangsfloskeln in der deutschen Sprache
Mach dennoch weiter so mit deinen Einträgen!
Dein Joni
11/02/2010 um 17:52
Hey Joni,

ja, hast ja recht…
Aber ich kann ja zu meiner Entschuldigung anführen, dass der Artikel dafür etwas länger geworden
ist und ich in mitten in der Nacht noch online gestellt habe!
Werde aber beim nächsten Mal bestimmt mehr darauf achten, dass bei Dir beim Lesen auch keine Langeweile, wegen sich
zu oft wiederholender “Anfangsfoskeln” auftritt!
Dein Domi
09/02/2010 um 20:56
eine schöne Geschichte
jaja, man hat immer wieder Spaß in Israel…liebe Grüße aus der old- city…